"Jüdisches Leben in Frankfurt"

Opfer des Nationalsozialismus besuchen SELK-Hochschule

Wie schon mehrmals in den vergangenen Jahren kam es am gestrigen Mittwoch an der Lutherischen Theologischen Hochschule der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Oberursel zu einer Begegnung mit ehemaligen deutschen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die als Juden in der Zeit des Nationalsozialismus Opfer der Verfolgung geworden waren. Ehepaar Kahn aus Argentinien und Ehepaar Plaut aus Brasilien waren der Einladung der Stadt Frankfurt zur Teilnahme an der Veranstaltung "Jüdisches Leben in Frankfurt" gefolgt und hatten sich bereit erklärt, in Rahmen ihres Deutschlandsaufenthaltes mit den Studierenden der Hochschule über ihr Schicksal zu sprechen. Unter der Moderation der Professoren Dr. Werner Klän und Dr. Jorg Christian Salzmann berichteten die Ehepaare von Kindheitserinnerungen an Frankfurt aus den frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, von Umzug und beruflichem Neuanfang in Nordhessen, von der Flucht aus Deutschland und Europa und vom Schicksal von engen Familienangehörigen, die in den Vernichtungslagern umgekommen sind. Bewegend waren auch Erinnerungen an mündliche Berichte der Eltern- und Großelterngeneration über Pogrome im damaligen russischen Reich zu Beginn des Jahrhunderts und Ordenauszeichnungen für den Einsatz im Ersten Weltkrieg auf deutscher Seite. Die Schwierigkeit des Neuanfangs in der fremden und fremdsprachigen Umgebung Südamerikas, die Erfahrung, dort als Deutsche zunächst nicht immer willkommen zu sein.

 

Nachfragen der Zuhörenden zeigten besonderes Interesse am Verhältnis der in der neuen Heimat geborenen Kinder und Enkel zur Praktizierung des jüdischen Glaubens. Die Offenheit im Gespräch und die Dankbarkeit der Gäste für ihre freundliche Aufnahme im Rahmen der Frankfurter Veranstaltung hinterließen einen tiefen Eindruck bei Lehrenden und Lernenden der Hochschule.