Dies academicus: Wilhelm Löhe und Ludwig Harms

Zum Thema "Wilhelm Löhe und Ludwig Harms, * 1808. Vergleichende Studien zum lutherisch-konfessionellen Aufbruch im 19. Jahrhundert" fand am 21. November 2008 der traditionelle Dies academicus an der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel statt.

Damit stand dieser akademische Hochschultag im Zeichen des 200. Geburtstags dieser beiden Theologen, der in diesem Jahr zu besonderem Gedenken Anlass gibt.

Auf Einladung der theologischen Ausbildungsstätte der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) referierten Prof. Dr. Klaus Raschzok (Neuendettelsau) über "Wilhelm Löhe als praktisch-theologischer Publizist", Dozent Dr. Jobst Reller (Hermannsburg) über "Luthertum im Geist und in der Tat. Beobachtungen zum Verständnis der Konfession bei Ludwig Harms" und Pastor i.R. Dr. Hartwig Harms (Hermannsburg) zu "Wilhelm Löhe und Ludwig Harms. Parallelen, Berührungen, Unterschiede".

Klaus Raschzok arbeitete heraus, wie bei Löhe ein "weisheitliches" Theologieverständnis, das auf Gottesdienst und Verkündigung sozusagen erlebnisorientiert" bezogen sei, in das Gespräch mit der jungen Disziplin der Praktischen Theologie - wenngleich seinerzeit weithin erfolglos - gebracht worden sei, das heute in einem kulturwissenschaftlichen Zugang erst recht erschlossen werden könne. Jobst Reller führte aus, wie bei Ludwig Harms die rechtfertigungstheologische Dimension des reformatorischen Erbes bestimmend sei, sodass bei ihm über die Konfessionsgrenzen hinweg der Christusbezug der Glaubenden den Ausschlag gebe; erst von daher erschließe sich die Anschauung von der Kirche, und zwar so, dass bei Ludwig Harms der lutherischen Kirche in ihrem Lehrgehalt eine relativ größere Reinheit zugeschrieben werden könne als anderen Denominationen. Insofern könne bei Ludwig Harms (auch im Unterschied zu seinem jüngeren Bruder Theodor Harms) von einem "inklusiven" Bekenntnisbegriff gesprochen werden, der die Gemeinschaft der Glaubenden höher ansetze als die Konfessionskirche. Hartwig Harms führte anhand der Tätigkeitsfelder Dorfpfarramt, literarische Arbeiten, frühe religiöse Eindrücke und Schwerpunkte in der pastoralen Wirksamkeit, Erweckung und kirchliches Engagement, Predigt, Missionsverständnis und Innere Mission einen ausführlichen Vergleich durch, in dem genaue Profile beider "Leuchttürme" lutherisch-erwecklicher Kirchlichkeit im 19. Jahrhundert entstanden.

Ein Podiumsgespräch unter Leitung von Prof. Dr. Werner Klän (Oberursel) brachte weiterführende Klärungen zu den Fragen nach der Zeitgenossenschaft der beiden Theologen, ihren Vernetzungen in die jeweiligen Kontexte, nicht zuletzt auch nach dem bleibenden Vermächtnis dieser Lehrer der lutherischen Kirche. Die angeregte Aussprache unter reger Beteiligung des Plenums ließ deutlich werden, wie viele hilfreiche Impulse für heutige Gestaltung kirchlichen Lebens in lutherischer Absicht nicht zuletzt vom 19. Jahrhundert zu erwarten sind. Die Vorträge sollen demnächst in der Reihe der "Oberurseler Hefte" im Druck erscheinen. (nach: SELK-News)

« Zurück zur Übersicht